„Mein Lebelang, und immer noch, bin suchend ich umhergeirrt“

Lea Schmocker liest Else Lasker-Schüler.

Musik: Monika Feil (Violine)

Else Lasker-Schüler sehnte sich, fremd in einer Alltagswelt, die sie nicht ertrug, nach mythischer Vergangenheit und biblischem Schauplatz. Und am Ende ihres Irrgangs durch diese Welt und als Ziel von Vertreibung und Flucht erreichte sie den Ort ihrer Sehnsucht: Jerusalem. Neben der Liebeslyrik stehen ihre Gedichte mit jüdischer Thematik, ohne dass sich beide in strikter Weise trennen ließen.

Lea Schmocker, bekannt als langjähriges Ensemblemitglied am Erlanger Theater und von zahlreichen Lesungen, trägt Gedichte und Geschichten von Else Lasker-Schüler vor und lässt so deren Jahre im Exil von 1933 bis zu ihrem Tode 1945 in Jerusalem wieder aufleben.

Persönliches:

Else Lasker-Schüler, mit ihr beschäftige ich mich seit einiger Zeit wieder sehr intensiv und je mehr ich versucht habe , ihr Werk zu bündeln, zu strukturieren, desto vielfältiger erscheint es mir.                                                                                                    In meiner Pubertät, will sagen vor etwa 25 Jahren , war mir Else Lasker-Schüler sehr wichtig: ihre Liebes- und Lebensgedichte, ihr Liebesroman , mein Herz und ihre erfundenen Figuren; man denke, eine Frau, die sich Prinz Jussuf nennt!  Und die ganze Orientalik und dazu die wilden zwanziger Jahre in Berlin, das Alles hatte mich mächtig fasziniert und angezogen. Die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen, in der es nichts zu verlieren gab ; es wurde experimentiert mit dem Leben! Faszinierend!

Und nun begegnete ich ihr wieder: Zuerst habe ich mich mit Else Laker-Schülers Leben beschäftigt, habe eine, wie ich finde, sehr gelungene Biografie von Sigrid Bauschinger gelesen, und mir einen Eindruck verschafft: es gibt durchgängige Themen , im Leben von Lasker-Schüler und auf alle Fälle zeichnet sich Else durch eine grosse Kontaktfreude aus, durch ein starkes Kommunikationsbedürfnis,  durch eine Lust an Intensität, sehr oft war sie verliebt, unglaublich schöne Liebesgedichte sind so entstanden. Es ist nicht eindeutig, mit wie vielen Menschen sie auch tatsächlich ihre Liebe leben konnte, aber die Sehnsucht und die Kraft zu lieben blieben ihr bis zu ihrem Lebensende erhalten. Was ihr leider auch erhalten blieb, war ihre stete Geldnot. Zwar hat sie wohl viele Bücher veröffentlicht, aber dass sie davon wirklich leben konnte, war sehr selten der Fall, oft musste sie bei ihren Verlegern um angemessenen Lohn betteln und wenn das Geld dann da war, dann hat sie es einem bedürftigeren Freund überlassen. Das ist auch ein Punkt, den Else auszeichnet: sie hat sich echt eingesetzt für ihre Freunde, hat viele Briefe an einflussreiche Menschen geschickt um sich für notleidende Freunde stark zu machen.

Ein ganz wichtiges Thema in ihrem Leben war natürlich ihr jüdischer Glaube, ihre Auseinandersetzung mit Gott. Ihre geliebte, viel zu früh verstorbene  Mutter und ihr an Tuberkulose gestorbener Sohn- diese zwei grossen Verluste in ihrem Leben, die immer wieder quälend über sie kamen fanden in vielen Gedichten ihren Ausdruck .

Else Lasker-Schüler ist mir wieder immer näher gekommen, ich habe viele ihrer Gedichte für mich neuentdeckt, zum Teil wiederentdeckt. Ihre ganzen Prosatexte waren für mich gänzlich neu und ein Riesenschatz und gerne bin ich mit ihr durch ihr Jerusalem gestreift.

Eine Fülle, eine Riesenfülle an Material, Gedanken, Texte, Gedichte: ich habe mich beinah darin verloren.

Nun habe ich  eine ganz persönliche Auswahl an Texten getroffen, Texte, die mich berührt haben, die mir wichtig erscheinen im Zusammenhang mit Else, und die ich gerne an Euch weitergeben möchte und mein schönstes zu erreichendes Ziel wäre es, wenn ich Euch auch für ELSE interessieren könnte und Ihr nach diesem Abend nach Hause geht mit dem einen und anderen Texten im Kopf und im Herzen und dem Bedürfnis nach mehr ELSE…dazwischen wird immer wieder Musik eingelegt, denn Elses Texte sind sehr intensiv und müssen immer wieder Raum zum Nachsinnen haben .

Premiere war am 29. Januar 2009 , dann diverse Auftritte u.a. in der Hugenottenkirche Erlangen , in der Synagoge Ermreuth und im Literaturcafe Nürnberg

 

 

 

 

 

 

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