Von komponierenden Männern und dichtenden Frauen-

Anna Wielopolski an der Geige ;Hannelore Mittl-Hopfinger am Klavier ; Lea Schmocker Rezitatorin

Benefizkonzert am 14. Juni 2013 an der Freien Waldorfschule Erlangen und Auftritt im Krakauerhaus 4.10.2013

Manuel de Falla                                                    

1876-1946

Für Manuel de Falla, 1876 in Cádiz geboren, waren die Landschaften, Städte und Menschen Andalusiens lebenslang Thema, so auch in seinem bekanntesten Werk, der Oper La vida breve. Diese Oper wurde 1913 in Frankreich uraufgeführt, wo de Falla wie fast alle spanischen Komponisten seiner Generation studierte. Später lebte de Falla in Granada in einem intellektuellen Freundeskreis, zu dem auch der Dichter Federico Lorca gehörte. An Tuberkulose schwer erkrankt, nahm de Falla im Herbst 1939 eine Einladung zu einer Konzertreise nach Argentinien an, eine Flucht vor dem spanischen Bürgerkrieg. Dort starb Manuel de Falla kurz vor seinem 70. Geburtstag.

Bis heute ist de Fallas Ruf an La vida breve geknüpft. Besonders beliebt wurde der

Spanische Tanz aus La vida breve

in einem Arrangement von Fritz Kreisler.

Ingeborg Bachmann

1926-1973

Ingeborg Bachmann wurde 1926 in Klagenfurt als ältestes von drei Kindern geboren. Sie studierte in Innsbruck, Graz und Wien, wo sie viele junge Schriftsteller, darunter Thomas Bernhard, Ernst Jandl, Ilse Aichinger und den jüdischen Dichter Paul Celan kennenlernte. 1950, mit 23 Jahren, erhielt sie ihren Doktortitel, packte ihre Sachen und ging zu Celan nach Paris. Doch der Versuch, mit ihrer großen Liebe zusammenzuleben, scheiterte: Nach zwei Monaten kehrte Ingeborg Bachmann nach Wien zurück. Sie wurde Redakteurin der Sendergruppe Rot-Weiß-Rot in Wien, freie Schriftstellerin auf Ischia, in Neapel und Rom, reiste auf Einladung der Harvard-Universität von Cambridge in die Vereinigten Staaten, arbeitete als Dramaturgin beim Bayerischen Fernsehen in München. 1958 trat sie dem „Komitee gegen die Atomrüstung“ bei, das sich gegen die Atombewaffnung der Bundeswehr richtet, 1959 wurde sie Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Für den Erzählband „Das dreißigste Jahr“ erhielt Bachmann den Literaturpreis 1960/61 des „Verbandes der Deutschen Kritiker“. In ihrer römischen Wohnung erleidet sie am 26. September 1973 einen Brandunfall, an dessen Folgen sie mit nur 47 Jahren stirbt.

Robert Schumann

1810-1856

Geboren wurde Robert Schumann 1810 als jüngstes von fünf Kindern eines Verlagsbuchhändlers in Zwickau, wo er umgeben von Büchern und Musik aufwuchs. Nach dem Tod seines Vaters begann er ein Jurastudium in Leipzig. Doch der junge Mann konnte sich für trockene juristische Fragen nur wenig begeistern, vielmehr genoss er das kulturelle Angebot, klapperte die Tavernen ab und holte sich die Syphilis, jene Krankheit, die ihn ab 1844 so sehr leiden und in der Nervenheilanstalt Endenich enden ließ.

Musikalisch und persönlich prägend war für ihn die Begegnung mit dem Musikalienhändler und Klavierlehrer Friedrich Wieck, mit dessen Tochter Clara, einer gefeierten Pianistin, er 1840 den Bund für’s Leben schloss. Bis 1854 kamen acht Schumännchen (so nannten sie ihre Kinder) auf die Welt.

Viele seiner Werke komponierte Schumann in einem Schaffensrausch innerhalb kürzester Zeit. Folgende Sonate in nur 5 Tagen im September 1851:

Sonate a-Moll für Violine und Klavier op. 105

Mit leidenschaftlichem Ausdruck
Allegretto
Lebhaft

Annette von Droste-Hülshoff

1797 – 1848

Annette von Droste-Hülshoff wurde 1797 bei Münster geboren. Sie entstammte einer westfälischen Adelsfamilie, streng katholisch und konservativ. Hochbegabt, aber kränklich, erhielt sie eine sorgfältige Ausbildung. Ihre erste Liebe wurde durch eine Intrige ihrer Familie zunichte gemacht, was sie nachhaltig prägte. 1825 reiste sie auf ärztlichen Rat zu Verwandten an den Rhein, genoss das unbeschwerte Lebensgefühl, begegnete Karl Simrock, A. W. Schlegel und Adele Schopenhauer. Nach dem Tod des Vaters zog sich die Familie in ein einsames Landhaus bei Münster zurück. 1834 heiratete die Schwester und zog in die Schweiz. Annette besuchte sie dort, war begeistert von der Landschaft, den Bergen und Wäldern. 1838 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband, doch nur wenige Exemplare wurden verkauft. Die Bekanntschaft mit dem 17 Jahre jüngeren Levin Schücking beflügelte sie in ihrem Schaffen: 1842 erschien die Judenbuche, 1844 ein zweiter Gedichtband, der großes Echo fand. Nach einer schweren Lungenerkrankung starb Annette 1848 in Meersburg.

Ohne Zweifel ist die Frau, die den bis 2001 gültigen 20-DM-Schein zierte, heute ungleich bekannter als zum Zeitpunkt ihres Todes.

Else Lasker-Schüler

1869 – 1945

Else Lasker-Schüler wurde 1869 in Wuppertal als Tochter eines jüdischen Privatbankiers geboren. Nach der Heirat siedelte sie nach Berlin über, wo sie sich ihrer zeichnerischen Ausbildung widmete. 1899 kam ihr Sohn Paul zur Welt. Im selben Jahr veröffentlichte sie ihre ersten Gedichte, 1902 folgte ihr Gedichtband Styx und sie heiratete zum zweiten Mal. Ab1906 erschienen in rascher Abfolge ihr erstes Prosawerk, Essays, Theater- und Literaturkritiken. Lasker-Schüler war eine zielstrebige, hochbegabte, ihr Metier unglaublich ernst nehmende, hart arbeitende und kämpferische Frau, die durch ihr exzentrisches Auftreten und ihre (Ver)Kleidungen alle Konventionen sprengte und Aufsehen und Anstoß erregte. Sie war eine dichterisch-malerische Doppelbegabung, die Zeit ihres Lebens hart um ihren Lebensunterhalt kämpfte. 1932 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Kleist-Preis geehrt, schon ein Jahr später musste sie aufgrund öffentlicher Angriffe ins Exil in die Schweiz gehen. Es folgten mehrere Palästina-Reisen. Am 22. Januar 1945 starb Lasker-Schüler in Jerusalem.

Claude Debussy                                             

1862-1918

Claude besuchte nie eine Schule, hatte aber Taufpaten, die mit ihm über Kunst und Musik sprachen, ihn mit nach Cannes an der Cote d’Azur nahmen. Dort lernte Claude die zwei Dinge kennen, die ihn zeitlebens faszinierten und beglückten:Das Meer und die Musik!

Mit 10 Jahren besuchte er das Konservatorium in Paris, gewann Preise, reiste durch halb Europa, kehrte ans Konservatorium zurück, seine Ausbildung lief wie am Schnürchen. Doch das Publikum verstand Claude Debussys Musik lange nicht. Finanzielle Sorgen und Beziehungs-Irrungen und Wirrungen gehörten zu seinen ständigen Begleitern. 1908 heiratete er die Mutter seiner Tochter Chouchou, Emma Bardac, deren Vermögen wesentlich zum Auskommen der Familie beitrugen. 1918 erlag Claude Debussy einem Krebsleiden.

Sonate für Violine und Klavier g-Moll

Allegro vivo
Intermède: Fantasque et léger
Finale: Très animé ist Debussys letztes Werk. „Ein Beispiel, was ein kranker Mann während des Krieges schreiben kann“, kommentierte Debussy selbst. Nach der Uraufführung am 5. Mai 1917, Debussys letztem Auftritt, hat er sein Erstaunen darüber ausgedrückt, dass die Sonate so fröhlich und voller Leben klang, obwohl sein Gemütszustand genau umgekehrt war.

Wislawa Szymborska

1923 – 2012

Wislawa Szymborska wurde 1923 in Posen als Beamtenkind geboren. Zur Schule ging sie in Krakau bei den Ursulinen. Nach dem Krieg studierte sie Polonistik, dann Soziologie, 1948 heiratete sie Adam Włodek, Chefredakteur einer Tageszeitung . Ende der vierziger Jahre wurde eine Veröffentlichung ihres ersten Gedichtbandes wegen mangelnden Gespürs für die neue „sozrealistische“ Zeit abgelehnt. Dieses Gespür schien sie später entwickelt zu haben, denn ihr Gedichtband „Deshalb leben wir“ kam 1952 heraus. 1954 bekam Wisława Szymborska den Krakauer Kulturpreis, 1957 war sie Stipendiatin des polnischen Ministeriums für Kultur und Kunst in Paris. 1966 trat sie aus der Partei aus und publizierte in Untergrundzeitschriften. Eine distanzierte Betrachterin fand in ihr auch der seit den neunziger Jahren erstarkende polnische Nationalismus.

Nachdem sie im Jahre 1996 den Nobelpreis für Literatur erhalten und ihre Stockholmer Vorlesung den Wörtern „Ich weiß nicht“ gewidmet hatte, schwieg Wisława Szymborska eine Zeit lang angesichts des Weltruhms, der sie fortan umgab. Dann erschien ihr Gedichtband „Chwila“ (2002, dt. „Der Augenblick“, 2005). Dieser Titel war das Schlüsselwort für ihr gesamtes Werk, das man als eine große Erforschung des Augenblicks charakterisieren könnte. 2012 ist die Lyrikerin mit 88 Jahren in Krakau gestorben.

 

 

 

 

 

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